Buchreviews

Ich bin das Mädchen aus Aleppo

2. Februar 2018

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Bana Alabed ist ein kleines Mädchen, siebe Jahre alt, ein Kind. Sie mag Schneewittchen, roten Wackelpudding, rosa Schuhe, Puppen und schläft gerne auf dem Schoß ihres Papa ein.

Ein Leben inmitten des Krieges

Bana schreibt dieses Buch „Ich bin das Mädchen aus Aleppo“ gemeinsam mit ihrer Mutter. Sie berichtet mitten aus dem syrischen Bürgerkrieg und schreibt in einfacher und doch so eindrucksvoller Weise, wie ihr Leben und das ihrer Familie inmitten von Bombenhagel und viel Not stattfindet. In ihrer Heimat Aleppo wird nach und nach sauberes Wasser rar, es gibt keine medizinische Versorgung mehr, das Essen wird knapp. Sie verliert ihre beste Freundin, sie verliert ihre Schule, ihre Freiheit, ihr Zuhause und letztlich ihre Heimat. Aber sie verliert nicht die Hoffnung.

„Hoffnung ist das Gefühl, dass die Welt schön ist und man alles schaffen kann. Man ist zuversichtlich, dass man all das Schwere übersteht, weil bald wieder bessere Zeiten kommen werden.“

Beim Lesen des Buches, wünsche ich Bana, dass sie spielen kann, streiten, auf dem Schulweg trödeln kann, dass sie sich nicht unentwegt sorgen und schon so viel Verantwortung für die anderen Kinder übernehmen muss.

Anstattdessen erlebt sie Krieg. Tag ein, Tag aus. Sie erlebt, wie ihre beste Freundin bei einem Bombenanschlag stirbt, sie lebt mit ständiger Todesangst.

Bana ist die älteste von ihren Geschwistern und Cousins und Cousinen. Sie erfindet Spiele, Lieder, liest Geschichten vor, baut die Wohnung so um, als ob sie auf einem Spielplatz oder in einem Park wären, um alle Kinder aufzuheitern. Denn Banas Leben findet nur drinnen statt: die Kinder und sie können nicht zur Schule, sie dürfen kein Fußball spielen, nicht schaukeln, …

Wut

Ihre Mama schreibt: „Ich bin wütend, dass wir das alles ertragen mussten, während die Welt zusah. … Wütend darüber, dass es eine Welt gibt, in der Bomben und das Töten von Kindern toleriert werden. Wütend darüber, dass ich dich dazu erzogen habe, großzügig und gerecht und gütig zu sein, nur um dich dann einer Welt auszusetzen, die nichts davon ist.“

Twitter und eine Botschaft in die Welt.

Als sie nach einem Bombenanschlag tagelang den Vater und Bruder ihrer Freundin nur tot bergen können, beschließt Bana:

„Ich dachte, wenn die Menschen auf der ganzen Welt sehen würden, wie schlimm es war, und erführen, wie viele Menschen starben – in nur einer Minute wurden eine ganze Familie und Marwas Baba und Bruder ausgelöscht – dann würden sie uns helfen.“

#Standwithaleppo

So beginnt Bana, gemeinsam mit ihrer Mutter zu twittern. Am 24. September 2016 schreibt sie ihren ersten Tweet:  „I need peace.“

Ihre Tweets erreichen sehr bald sehr viele Menschen. Doch sie gerät auch in die Kritik. Kinder als Sprachrohr? Instrumentalisiert die Mutter ihre kleine Tochter? Ich habe darauf keine abschließende Antwort.

So wie ich Bana im Buch kennen lerne, die Englisch gelernt hat, ein sehr weises und umsichtiges und verantwortungsvolles Mädchen ist, möchte sie diese Botschaften selbst senden. Ihre Mutter berichtet, dass Twitter sie gerettet hat. Es gab ihnen die Chance mit Menschen in Kontakt zu treten, die ihnen helfen konnten und mit denen sie ihren schrecklichen Alltag teilen konnten.

„Unsere Welt im Keller war winzig, aber mit einem Mobiltelefon wurde sie ganz groß.“

Die Lage spitzt sich zu

Gegen Ende des Buches spitze sich die Lage zu. Das liegt zum Einen an der allgemeinen Lage in Aleppo. Zum Anderen wird Banas Haus zum Angriffsziel, weil sie twittert. Sie erhalten Todesdrohungen vom Regime und man bombardiert ihr Haus mit Absicht.

Bana beschreibt die schlimmsten Stunden und Tage ihres Lebens. Sie verlässt jeglicher Lebensmut und jede Hoffnung. Sie erlebt, wie ihr Vater und Onkel schwer verletzt werden, sie wird selbst krank, sie hungert und verdurstet, sie sitzt im Bombenhagel in ihrem dunklem und kalten Keller. Sie und ihre Familie werden zu Flüchtlingen in ihrem eigenen Land und suchen nach der Zerstörung ihres Hauses sicheren Unterschlupf, den sie aber erst bekommen, als sie die Stadt und schließlich das Land verlassen können.

Dieses Buch ist tough

Es ist einfach schrecklich diese Geschichte zu lesen. Und es ist übrigens kein Buch für Kinder, schon eher für Jugendliche.

Wie soll ich nach dem Lesen dieser Zeilen in (m)ein Alltagsgeschehen übergehen? Wie kann es sein, dass es mir so gut geht und in Teilen dieser Welt, diese furchtbaren Dinge passieren? Wie kann dieser Krieg so viele Opfer fordern – unschuldige Menschen und Kinder? Und wie kann ich einen Artikel auf dem „Blog nebenan“ ertragen, wo sich Menschen überlegen, ob sie eine Chanel oder Prada Handtasche kaufen wollen?

Man nennt das wohl Ungerechtigkeit.

Was kann ich tun?

Dankbar sein!

Flüchtlinge willkommen heißen. Bedingungslos.

Die Augen nicht verschließen: Bücher wie diese sind grausam, sie sind keine locker flockige schöne Lektüre für den Abend. Aber Bana erzählt mir hier aus erster Hand, was Krieg bedeutet. Und auch wenn es mich zutiefst erschüttert und ich niemals das Ausmaß dieser Erlebnisse begreifen werde – will ich mich damit auseinander setzen. Ihre Worte und Bilder helfen mir besser zu begreifen, als Tagesschau Meldungen.

Helfen. Spenden. Aufmerksam machen.

 

Der Verlag Bastei Lübbe hat eine tolle Aktion gestartet, die ich aus vollem Herzen unterstützen und bewerben möchte. Lass deine Kinder, Enkelkinder, die Kinder aus deiner Gruppe, Klasse, die Kinder von Verwandten und Bekannten ein Bild als Zeichen des Friedens malen und lade es hier hoch.

Pro Bild spendet der Verlag 1€ an eine Einrichtung, die sich um geflüchtete Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien kümmert. Eine ganz einfache Sache um im Kleinen zu helfen.

Das Buch „Ich bin das Mädchen aus Aleppo“ von Bana Alabed bekommst du hier oder bei deinem Buchhändler um die Ecke.

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