Bli Bla Blog

Bli Bla Blog – ein paar persönliche Worte

3. Februar 2017

Die Wochen fliegen dahin – unglaublich… Es ist in der Zwischenzeit soviel passiert und ich lasse euch etwas daran teilhaben.

Wenn ihr meine Artikel lest und kennt, dann wisst ihr: ich schreibe mitten aus dem Leben, aus meinem Leben und somit aus meinem Job. Man kann – ohne Superdetektiv zu sein – herauslesen, dass ich vieles im System und auch oft im Handeln der KollegInnen schwierig finde. Es gab auch immer wieder ganz tolle MitarbeiterInnen an meiner Seite, aber zum Teil war es absolut grenzwertig für mich mit manchen zusammen zu arbeiten. Auch an meiner letzten Arbeitsstelle war es leider so! Dass ich vieles anders machen wollte, wurde einfach nicht akzeptiert und auch boykottiert. Ich bin wirklich durch kleine Höllen gegangen und kann seitdem gut nachempfinden, was es heißt gemobbt zu werden.

Bindung und Beziehung zu Kindern im Job aufzubauen und zu leben ist in unserem Schulsystem echt schwierig. Denn es ist so konzipiert, dass wir eigentlich als Ordnungshüter und Polizisten agieren, häufig auch als Feuerwehr. Hast du schonmal einen aus dieser Berufsgruppe erlebt, der eine intensive, liebevolle und langfristige Beziehung im beruflichen Kontext zu dir aufgebaut hat?? Eben! Ich habe es trotzdem an der Schule versucht und wurde meist müde belächelt („Komm erstmal in unser Alter!“ ein oft gehröter Satz von KollegInnen). Am liebsten hat man mir vorgeworfen, den Kindern zufiel extra Wurst zu geben, keine Regeln zu beachten, nicht streng genug zu sein, die Gruppe nicht im Griff zu haben undsoweiterundsofort.

Dies geschah auch nicht offen, sondern hinter dem Rücken. Eine wertschätzende offene Feedback- und Kommunikationskultur ist mir genauso selten begegnet wie Spaß und Humor bei der Arbeit. Diese Anfeindungen auszuhalten und sich dabei vor allem missverstanden zu fühlen, denn bei mir gab es auch Regeln (aber nicht nach Katalog) zermürbt einen irgendwann regelrecht.  Und ja, der Umgang mit einer Gruppe (24 Kinder pro Gruppe – Luft nach oben, gerne auch mal mehr) ist nicht einfach und auch für mich herausfordernd. Denn es ist unmöglich alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen und man wird ungerecht, außerdem ist der Lärmpegel einfach enorm. So kann ich es mir auch erklären, dass manche KollegInnen so sind wie sie sind. Aber es entschuldigt es nicht für mich. Und ich wünsche allen Kindern, dass sie unbeschadet durch so manche Begegnungen kommen. Ich habe es nicht selten erlebt, dass Kinder als „Psychopath“ beschrieben wurden, ich meine HALLO?! Welche Haltung steckt denn dahinter…?

Ich war offen und habe meine Meinung kundgetan, habe versucht Dinge anzusprechen, zu verstehen, es anders zu machen, mit der Leitung im Kontakt zu sein und habe dafür zum Teil auch Bestärkung und Zustimmung bekommen, aber vor allem Ablehnung und Hohn.

Der Preis war mir zu hoch und auch wenn ich dich hier ermutigen will, es anders zu machen, sage ich: NICHT UM JEDEN PREIS!

Tschüss AnnaIch habe dann sehr kurzfristig beschlossen zu gehen! Und es ist mir wirklich nicht leichtgefallen, denn ich war so gern mit diesen Kindern zusammen!! Auch von Sally musste ich mich leider verabschieden und das ging mir sehr nah. Der Wind der mir dann noch einmal entgegen schlug war auch nicht ohne, aber es war die richtige Entscheidung!!!

In der ganzen Zeit gab es eine ganz tolle Kollegin, die ich an meiner Seite hatte und ohne die ich nicht so lange ausgehalten hätte! Ich wünsche jedem von euch, jemanden mit dem ihr gemeinsam auf dem Weg sein könnt! Wir sind Teamplayer und GEMEINSAM geht alles besser! Im Idealfall wünsche ich dir ein Team voller toller KollegInnen! Aber meine Erfahrung ist leider, dass das eher seltener in unserem Kita- und Schulsystem ist… Deswegen ist schon eine Person an deiner Seite sehr viel wert! Meine liebe Kameradin 😉 hat zum Glück auch gekündigt und ich möchte ihr hier nochmal von Herzen danken: es war so cool mit dir zusammen zu arbeiten und ich danke dir!!!

Alles auf Anfang – Neustart

Zum Jahresende stand dann eine große Veränderung an: der Umzug von Berlin nach Zürich!!

Schweren Herzens sagte ich Ade zu meinen Freunden, unserer schönen Wohnung und meinem Berlin. Nach Weihnachten umzuziehen kann ich nun wirklich nicht empfehlen, keiner hat so richtig Zeit zu helfen und Weihnachtsstimmung kommt erst gar nicht auf, sondern wird gleich fürs nächste Jahr wieder in den Kisten verstaut. Und dann dieser ganze Kram, den man besitzt… Au backe. Ich hoffe, dass ihr mir alle bestätigt, dass ihr auch dieses Nicht-Wegwerf- „da könnte man nochmal was mit den Kindern basteln“-Syndrom habt!!?

SAMSUNG CSC

Inzwischen bin ich hier in Zürich so ein bitzeli angekommen, aber noch dabei mich einzuleben und einzugrooven! Ich habe noch keinen Job und warte im Moment auf die Anerkennung meines Diploms. Ich bin offen und könnte mir alles mögliche vorstellen, das Einzige was stimmen muss: das Team 😉 , denn Kinder sind immer cool.

Zürich ist mega schön und macht es mir leicht es zu mögen und vereint beides: schönste Natur mit Blick auf Alpen und den wunderschönen See und trotzdem ein städtisches Leben mit vielen schönen Straßen, Läden und Cafés. Denn beides liebe und brauche ich und in Berlin kam definitiv der Natur-Teil viel zu kurz!

 Integrations-Fortbildung

Bis März mache ich noch meine Integrations-Fachkraft-Ausbildung (in Berlin) zu Ende. Ich muss noch eine Facharbeit zum Thema „Aggressives Verhalten und ADHS“ schreiben… Oh ja, ein Thema an dem sich die Geister scheiden und ich freu mich drauf und hab ja jetzt genügend Zeit zu schreiben und dann auch das Kolloquium vorzubereiten.

Die Ausbildungsgruppe ist übrigens voll von tollen ErzieherInnen und auch hier habe ich eine ganz tolle Kollegin und Wegbegleiterin kennengelernt, es gibt sie eben doch. Für mich ist es ein Luxus die Ausbildung jetzt entspannt fertig machen zu können. Die meisten Kolleginnen dort haben Vollzeitstellen, sind Mütter und machen nun noch nebenher diese Fortbildung. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen und möchte der Politik wirklich in den Hintern treten!! Was unsere Berufsgruppe verdient ist einfach   e-i-n-e   a-b-s-o-l-u-t-e  F-r-e-c-h-h-e-i-t !! Jedem einzelnen aus unserer Gruppe würde es gut tun, ein paar Stunden weniger zu arbeiten, um einen Burnout präventiv zu entgehen und diesen Job weiterhin gut und wertschätzend machen zu können. Aber keine/r kann sich das leisten. Und so befindet man sich ganz schnell in einem Teufelskreis.

Ich möchte gerne in Zukunft ErzieherInnen hier auf dem Blog porträtieren und aufzeigen, was es für hammertolle Leute gibt und was sie leisten!!

Durch die Ausbildung bin ich ganz neu zum Thema Integration/Inklusion sensibilisiert worden und will auch dazu gerne mehr hier auf dem Blog machen.

Merci

Jetzt folgt noch ein kleines Danke an euch: danke dass ihr kinderwärts unterwegs seid und mir auf allen möglichen Kanälen folgt. Ich dachte, ich fang mal ganz klein an… Ähm ja… und innerhalb von 6 Monaten folgen mir auf Facebook über 1800 Menschen und die Sally– und Astrid Lindgren Artikel haben wirklich (!!) sehr viele Menschen gelesen! Ich bin überwältigt und danke für so viel Feedback! Und ja, es gibt auch ordentlich Gegenwind, aber das kenne ich aus dem Job und wie auch dort sind online einige tolle Weggefährten an meiner Seite! So überrollte mich bei meinen Pampers Facebook Post ein kleiner Storm, legte sich aber zum Glück so schnell wieder wie er gekommen war. Auch mein kleiner Adventskalender bekam so viel mehr Rücklauf und Feedback als ich gedacht hätte. Ich lerne mich also zurechtzufinden im Blog und Social Media Dschungel und dabei meine Botschaft klar im Visier zu behalten… 😉 !

In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch ein gutes Jahr 2017 (11 Monate haben wir ja noch)!!

Alles Liebe

Anna

Beitragsfoto by www.pixabay.com – Wokandapix

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4 Comments

  • Reply Anika 3. Februar 2017 at 20:29

    Liebe Anna
    Vielen Dank für deinen ehrliche Post. Ich frage mich schon lange, wie wir dieses System ändern können. Meine Tochter wird dieses Jahr eingeschult. Sie wollte schon nicht in den Kindergarten. Sie ist ein fröhliches , kluges, neugieriges Kind, aber sie mag es nicht, wenn jemand ihr vorschreibt , wie und wann sie etwas tun soll. Und ich weiß wirklich nicht, wie wir das schaffen sollen. Vor allem, wenn die engagierten Lehrer aufgeben. Nur wie können wir etwas ändern? Ich denke da die ganze Zeit drüber nach.
    Liebe Grüße
    Anika

  • Reply Kerstin 4. Februar 2017 at 13:03

    Liebe Anna, du bist einfach wundervoll! Du gehst deinen Weg und das ist genau richtig so! Ich liebe deinen Blog, leite sehr gerne Artikel an Lehrer und Erzieher weiter (zum Beispiel von Sallys sooo wichtigem Wüterich 🙂 ) und freue mich über deine Sicht der Dinge!
    Meine Erfahrung ist, dass es immer besser wird, wenn man etwas macht wofür man brennt und mit Herzblut dabei ist. Das haben wir ja alle noch in uns und wird eben oft in der Kindheit durch gewisse Systeme platt gemacht. Wir können so viel von den Kindern (wieder er-) lernen!
    Daher freue ich mich dich weiter auf deinem wundervollen kinderwärts Weg zu begleiten und wünsche dir alles Gute in Zürich!
    Liebe Grüße aus Köln,
    Kerstin

    • Reply Anna 2. März 2017 at 19:09

      Liebe Kerstin,

      ich danke dir ganz herzlich für deine lieben Worte!! Und freue mich wahnsinnig zu hören, dass du die Artikel weiterleitest und sie so auch Menschen erreichen, die vielleicht nicht so viel im Internet bzw. auf Blogs unterwegs sein! Danke! Und ja, Herzblut ist das Wichtigste und kann immer wieder entfacht werden. Und ich werde weiterhin dafür arbeiten, dass es im System nicht platt gemacht wird :)!
      Ich wünsche dir auch alles Gute!

      Liebe Grüße Anna

  • Reply Ama 4. Februar 2017 at 23:15

    Liebe Anna,
    ja, sehr schade zu lesen, was den Weggang beflügelt hat, doch ist es tatsächlich wichtig auch mit den eigenen Ressourcen so wertschätzend umzugehen, wie Du den Kindern begegnest.
    Jeder, der hier mitliest und so arbeitet wie Du, weiß genau wie wichtig das Team ist, sein Zusammenwirken und Zusammenhalt.
    Wie wichtig es ist sich auszutauschen, sich liebevoll zu spiegeln und sich gegenseitig -in den oft übergroßen Gruppen – zu stärken, anstatt Kinderfern und Teamfern als gegeben anzunehmen.
    Wenn die Kollegin die Tür zum Nebenraum zumachen will, um das “ flippende“ Kind ( 29 Monate ) drin allein sich „abkühlen“ zu lassen und wenigstens ohne Protest nach wiederholter Aufforderung , ja sogar Bitte, dies nicht zu tun, sein lässt.
    Wenn Teamsitzungen nicht stattfinden oder gar nicht erst eingeplant werden….
    Wenn Kommunikation und Transparenz erschwert werden…
    Dann frage ich mich trotzdem immer wieder wie die anderen Kollegen da frohgemut arbeiten können.
    Und wie es angehen kann, dass die Zukunft derart mit Füssen getreten wird, denn was ein Kind erlebt, das lernt es.
    Ich wünsche Dir genauso mutig weiterhin zu sein, so, wie Du es auch uns wünschst.
    Noch sind wir nicht genug, aber wir werden mehr.
    Frohgemute Grüße von
    Ama

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