Buchreviews, Kinderbücher

Der achtsame Frederick

10. November 2016

Schon seitdem ich ganz ganz klein war kenne ich Frederick.

Frederick die kleine Maus, ein wunderbares Kinderbuch von Leo Lionni mit wenig Text, schönen Bildern und großer Botschaft.

Immer wenn es Herbst und Winter wird, krame ich das kleine Büchlein (es ist noch die Version von damals) hervor, lasse mich von Frederick verzaubern und auf den Winter einstimmen.

Die Geschichte:

Eine emsige Mausfamilie sammelt den ganzen Sommer über Vorräte für den kalten, langen Winter. Alle arbeiten hart, bis auf eine kleine Maus, die offensichtlich faul daneben sitzt. Keiner versteht was sie da tut. Die kleine Maus Frederick sammelt andere Dinge… Als der Winter nicht enden will und die vielen Vorräte aufgebraucht sind, rückt Frederick mit seinen Vorräten heraus. Er hat wärmende Sonnenstrahlen gesammelt, auch bunte Farben (rot wie Mohn oder blau wie die Kornblumen) und viele viele Wörter für Poesie und Gedichte.

In unserer Familie hat diese Geschichte Tradition, wir reden manchmal von den warmen Sonnenstrahlen und Frederick ist unser Vorbild 🙂 .

Emsiges Tun kennen wir gut aus unserem Job, werden wir doch ständig gebraucht, müssen beaufsichtigen, vorbereiten, besprechen, basteln, Hausaufgaben machen, Elternabende vorbereiten und so weiter und so fort. Und in unserem Privatleben geht’s meistens gleich weiter.

Achtsamkeit

Was der kleine Frederick macht, würde man wohl heute mit Achtsamkeit beschreiben. Er genießt, ist ganz im Moment. Dabei sammelt er diese Momente, Farben, Gerüche und Wörter, so dass er später darauf zurückgreifen kann. Er konnte sie sammeln, weil er zu dem Zeitpunkt ganz im Moment und achtsam war.

Wir sind oft gar nicht im Hier und Jetzt. Durch Smartphone & Co noch weniger. Ein schöner Moment? Ich will ihn wenigstens fotografisch festhalten! Oder bin schon wieder im nächsten Moment, und denke dran, was noch zu tun ist.

Entschleunigung wird zur Zeit immer wieder großgeschrieben.

Aber ganz ehrlich: können wir diese Idee in unserem Job umsetzen?? Ich finde es schwierig. Der Tag ist so durch getaktet. Ohne Uhr geht gar nichts bei mir. Da sind 25 Kinder, um die ich mich kümmern muss (Es sind mindestens 25. Wenn ich auf dem Hof bin, gerne auch mal 100.) Wenn du in einer Kita, Krippe, Wohngruppe oder wo auch immer bist, variieren die Zahlen entsprechend. Aber bei uns allen ist es so: zu viele Kinder auf eine erwachsene Person!

Mich frustriert das enorm. (Das hat die aufmerksame Leser*in dieses Blogs schon mitbekommen 😉 )

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Die kleinen Momente…

Dennoch gibt es die kleinen Momente, wenn ich so dasitze und genieße. Die Kinder um mich herum gehen ihren Tätigkeiten nach, meist vertieft ins Spiel… Oder wir spielen alle gemeinsam oder ich habe viel Zeit für einzelne Kinder… oder wir sind zusammen kreativ. Diese Momente sammele ich, wie Frederick. Ich weiß dann wieder: ich liebe diesen Job! Es gibt keinen schöneren für mich!! Ich muss sie sammeln, denn es gibt die harten langen Winterzeiten, wo ich nur so träume von diesen Augenblicken.

Es sind die Augenblicke, wo wir meist nur in einer kleinen Gruppe unterwegs sind. Dann geht es zum Beispiel auch Sally ganz anders und der Wüterich lässt sich recht selten blicken.

Ich merke, wie gut den Kindern diese Augenblicke tun.

Ruhe

Es entsteht ganz natürlich die von uns so oft in diesem Job vermisste Ruhe! Ich muss sie nicht einfordern und durch lautstarkes Rufen, Regelsätze oder womöglich Auszeiten „erzwingen“. In kleinerer Runde gibt es ganz viele ruhige Momente. Und dann können es auch alle wieder gut aushalten, wenn es laut, turbulent und bunt zugeht.

Ich will mich hier nicht zu einem Schimpf- und einem Jammer-Blog entwickeln! Aber ich wünsche mir so sehr, mit kleineren Gruppen zu arbeiten! Wer hat sich das ausgedacht (beziehungsweise WARUM wurde es nicht überdacht), 20 – 30 Kinder in einen Raum und dann rechnen wir je nach Alter eine Betreuungsperson dazu??

Genieße die Augenblicke

Dennoch möchte ich dich ermutigen: Genieße kleine Augenblicke und öffne neu die Augen dafür! Wertschätze sie. Erzähle sie deinem Team in euren Besprechungen. Vielleicht könnt ihr euch immer 10 Minuten Zeit für diese Frederick-Momente nehmen. Damit ermutigt ihr einander und helft euch zu erinnern, warum man diesen Job eigentlich so unfassbar gerne macht. Denn fast alle Pädagog*innen die ich kenne, lieben ihren Job sind aber gebeutelt von den Umständen.

7 Praxis-Ideen:

Du kannst mit den Kindern die Frederick Geschichte lesen und die Bilder und Worte einfach wirken lassen (das geht auch noch mit älteren Kindern 🙂 ). Diese Geschichte hat einfach einen ganz besonderen Zauber.  Hier sind einige Ideen, wie du Frederick vielleicht in den nächsten Wochen bei dir in der Gruppe/Klasse integrieren kannst.

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♥ Sammelt draußen kleine und große Schätze in der Natur und lagert sie in einer „Winterschatzkiste“. Zum Beispiel Tannenzapfen, Federn, kleine Zweige, Steine, …

Ihr könnt kleine Mäuse aus Wallnussschalen oder Steinen basteln.

 Mal und experimentiert auf großen Papierbögen mit vielen bunten knalligen Farben. Oder malt (gesammelte) Steine bunt an und füllt damit eine große durchsichtige Vase.

Im tiefen Winter könnt ihr Sommer-Urlaubs Erinnerungen teilen (Fotos, Muscheln, Mitbringsel, …) und aus den Sommerferien mitbringen lassen (schafft man doch zum stressigen Schuljahres-Beginn eh nie 😉 ).

Ihr könnt besprechen: Welche Gerüche erinnern uns an den Sommer? Der Duft von Sonnencreme versetzt einen sofort in Sommergefühle.

Gemeinsam könnt ihr überlegen, was ist schön am Sommer, was ist schön am Winter und es aufmalen oder schreiben.

♥ Ihr könnt eine Traumreise/Meditation zum Thema Farben mit den Kindern machen. Hier gibt es kostenlos eine Fantasiereise zum Bunt des Sommers.

 

Vielleicht hast du auch noch andere Ideen oder Praxistipps, die du schon ausprobiert hast, dann teile sie gern in den Kommentaren. Ich wünsche dir, dass du gut durch den Winter kommst und dabei viele achtsame Momente mit den Kindern erleben kannst!!

 

 

Hier bekommst du das Buch. *

* Dieser Link ist ein Affiliate Link, wenn du diesen nutzt, unterstützt du mich und meine Arbeit und hast dadurch aber keine Mehrkosten. Mehr Infos darüber findet ihr auf der „Über Kinderwärts“ Seite. Du kannst das Buch aber auch über den lokalen Handel bestellen, das finde ich auch gut und wichtig. 😉 

 

 

 

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3 Comments

  • Reply Katia Saalfrank 10. November 2016 at 18:14

    Oh Anna <3 Was ein wunderbarer Beitrag! DANKE dafür!

  • Reply Ama 11. November 2016 at 8:19

    Ja, ich liebe Frederik auch !!
    Und : die Pubis haben kein Problem mit Frederik 😉
    Nur extrem mit Dogmen, aber das ist Frederik ja nicht, sondern eine wunderbare Tür zu verzauberten Reichen und noch mehr Freude.

  • Reply christa narr 14. Januar 2018 at 14:47

    So ein wunderbarer Beitrag, ich danke dir dafür und werde es für nächste Woche als in meinen Fokus stellen und zwar die Augenblicke und Momente sammeln, mit den Kindern. Passend dazu haben wir ein anderes Buch, das Winterwunder und ich werde sehen was wir daraus feines machen.
    lg Christa

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