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Auf los geht`s los

25. Juni 2016

Herzlich Willkommen auf der Seite Kinderwärts.

Hui, jetzt bin aber schon ein bisschen aufgeregt… Seit langem gibt es die Idee in meinem Kopf, monatelang habe ich inhaltlich überlegt und als absoluter Nicht-Computer-Profi gebastelt und getüftelt. Warum ich das gemacht habe und es nun einen weiteren Blog in dieser riesigen Bloggerwelt gibt, erzähl ich dir nun in meinem ersten Post.

Zuerst stelle ich mich aber mal ganz höflich vor: Guten Tag, mein Name ist Anna Noß und mein Job ist es mit Kindern und Jugendlichen „zu arbeiten“. Manchmal kümmere ich mich auch um deren Eltern und um Menschen, die ebenfalls mit Kindern arbeiten – sprich ErzieherInnen, (Sozial-)PädagogInnen und ehrenamtliche MitarbeiterInnen.

Ich liebe meinen Job! Es ist wirklich meine Leidenschaft! Ich finde Kinder einfach cool und jeden Tag, den ich mit ihnen verbringe bringen Leichtigkeit, Unbedarftheit, Buntheit und jede Menge Humor in mein Leben. Und ja manchmal auch graue Haare und klingelnde Ohren (wer kennt bitte das Lautstärken Problem nicht in unserem Job?).

Im Moment arbeite ich in einem Hort in einer Ganztagsschule. Davor habe ich ein soziales Projekt mitaufgebaut (blu:boks Berlin), in einer Kita gearbeitet und davor studiert (ich bin ursprünglich Diplom Religionspädagogin). Außerdem bin ich eine „tolle Tante“ von 2 Neffen und 2 Nichten.

(M)eine kleine Geschichte

Als ich begann mit Kindern zu arbeiten- auch schon während des Studiums (ich sag nur Praktika-aaahh) war ich auf der Suche… Wonach? Auf der Suche nach dem richtigen Umgang!

Wie gesagt ich fand Kinder sehr toll, aber sobald man für sie verantwortlich ist (und das ist man in unserem Job ja meistens gleich für mehrere) war das alles nicht so einfach wie man sich das in der Theorie so vorstellt beziehungsweise lernt.

Ich wollte lernen von anderen.

Nun ist es ja so, dass man sich Orte und Menschen die mit Kindern arbeiten immer erstmal schön, warm, bunt, herzlich, liebevoll und einfach gut vorstellt. Das war aber scheinbar eine utopische Vorstellung in meinem kleinen Kopf.

Denn mir fiel auf, dass es wirklich wenig Orte und Menschen gab, wo ich echte Wertschätzung in den Begegnungen mit Kindern erlebte und das Verhalten weit entfernt von meiner Vorstellung von „dem richtigen Umgang“ mit Kindern war. Das was ich da sah, wollte ich überhaupt nicht übernehmen. Was ich häufig erlebte war: streng, laut, autoritär, kein freundlicher Ton, keine Augenhöhe und kein adäquates Reagieren auf Entwicklungsphasen. Oder aber ein komplett entgegengesetztes Verhalten: antiautoritär, zu wenig Neins, zu viel Nachgeben, keine Authentizität, zu viel Angst vor trotzigen Reaktionen, zu wenig Positionierung und zu wenig eigene Persönlichkeit.

Das erschien mir extrem seltsam und mein Bauchgefühl sagte mir immer, dass es doch einen anderen Weg geben müsse.

Etwas Anderes als: Kitas, in denen ErzieherInnen die Entwicklungsstände von Kindern akribisch dokumentieren (sollen) anstatt Zeit mit Ihnen zu verbringen. Kinder funktionieren müssen und grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass diese kleinen Wesen in Schach gehalten werden müssen.

Schulen die nur brave PflichterfüllerInnen fabrizieren und eine Erziehungskultur an den Tag legen die jeglicher Politik der Gleichberechtigung widerspricht und SchülerInnen sehr defizitorientiert wahrgenommen werden.

Personalschlüssel die schon lange keine qualitative gute Arbeit mit einzelnen Kindern mehr ermöglichen.

Soziale Einrichtungen, die mit Belohnungs- und Punktesystemen arbeiten und braves Verhalten immer schön positiv verstärken (als wären Kinder Tiere).

Pädagogen die ausgebrannt und erschöpft sind.

Ratgeber, die uns weiß machen wollen, dass jedes Kind schlafen lernen kann, wenn wir nur hart genug sind und es lang genug schreien lassen.

Das macht mich wütend!

Vor allem der Umgang und die Reaktionen auf sogenannte „verhaltensauffällige Problemkinder“ bereitete mir Kopfzerbrechen oder vielmehr Herz-zerbrechen. Abgestempelt, in Schubladen verfrachtet und als Problem deklariert, weil zu laut, zu schüchtern, zu wild, zu dick, zu dünn, zu aggressiv, … Darauf reagiert man mit Strafen, Programmen, und nicht zuletzt Medikamenten (In Deutschland werden von dem Wirkstoff Methylphenidat -Ritalin- ca. 1,8 Tonnen im Jahr verschrieben). Ein genaues Hinsehen nach den Ursachen dieses Verhaltens und einen sensiblen und behutsamen Umgang mit diesen Kindern ist mir sehr selten begegnet. Klingt übertrieben? Leider nicht!

Was ist da nur los? Das kann doch alles nicht wahr sein! Oh doch. Willkommen im deutschen Bildungssystem.

All das steht für mich im absoluten Gegensatz zu dem, was Kinder ihrem Wesen nach sind: bindungs- und beziehungsfähig von der ersten Sekunde ihres Lebens an, bedingungslos. Kleine ForscherInnen und EntdeckerInnen, die sich immer begeistern lassen. Sie wollen gestalten und sind absolute Teamplayer. Sie haben eine angeborene Offenheit und Vorurteilslosigkeit. Sie lassen sich auf alles ein. Nach dem Motto: „Zeig du mir die Welt und ich zeig dir wiedewiedewie sie mir gefällt!“

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Wenn du mit Kindern  durch die Stadt oder die Natur gehst, siehst du plötzlich alles mit anderen Augen… Müll ist kein Müll, sondern ein Sammelsurium an Schätzen, Scherben sind Glitzersteine, eine Baustelle ein wahres Entertainmentprogramm, Polizisten werden zu Freunden, weil wir ihnen begeistert winken, Eichhörnchen lösen Entzückung pur aus, Pfützen wollen durchwatet werden und kleine hässliche Gartenzwerge der Nachbarn werden zum Leben erweckt indem sie jeden Morgen begrüßt werden.

Wenn Kinder sich (ich nenne es mal ganz pädagogisch) „abweichend“ verhalten hat das immer einen Grund.

Warum also ein so unsägliches und unsinniges Verhalten gegenüber Kindern?

Ich finde es wirklich bedenklich was in manchen Bildungseinrichtungen geschieht. Der Ton der dort oft an den Tag gelegt wird ist erniedrigend und erstickt jede individuelle Entwicklung im Keim, kein Erwachsener würde so mit sich reden lassen. Aber die Kinder haben oft keine Wahl.

Meine Erfahrung im Laufe der Zeit war aber auch, dass auch ich in stressigen Situationen, die mich überfordern, zu ähnlichem Verhalten neige. Ich hatte einfach ganz wenig Handlungsalternativen, keine Vorbilder und wenig Wissen (trotz pädagogischer Ausbildung). Und nicht nur mein Unwissen machte mir (und allen Kollegen) und somit den Kindern das Leben schwer, sondern das gesamte System bedarf einer Reform.

Die vorgegebenen Strukturen, Ausgangsbedingungen, Personalschlüssel, Raumvorgaben usw. sind nicht auf Beziehung und Dialog ausgelegt. Es geht meistens um Gehorsam und oft fehlt einfach die Zeit und mehr Personal!!!

Also einfach alles ganz furchtbar und hoffnungslos? Einfach den Beruf wechseln und Automechanikerin werden? Nein! Nein, nein. Das war und ist für mich keine Option!

Vier mal schlaue Anna 🙂

Die erste Erkenntnis für mich war: es gibt nicht „den“ richtigen Umgang mit Kindern!

Die zweite: ICH will gut und wertschätzend mit Kindern umgehen, koste es was es wolle!!!

Die dritte: es gibt eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse (aus der Entwicklungspsychologie und Hirnforschung), die mein Bauchgefühl bestätigen: so wie es in vielen Einrichtungen läuft ist es absolut nicht entwicklungsfördernd!

Und viertens: es gibt Ansätze und Menschen (von ihnen wird hier zu lesen sein), die es anders machen!

So weit, so gut. Was nun?

Ich bin immer noch auf dem Weg… Man ist wohl immer unterwegs.

Ich habe viel „ausprobiert“, auf meinen Bauch, mein Herz gehört und vor allem: auf die Kinder! Jedes Kind ist einzigartig und kompetent, die Aufgabe von uns Erwachsenen besteht (eigentlich nur) darin diese Kompetenzen und diese einzigartigen Wesenszüge zur Entfaltung bringen zu lassen. Das ist leider nicht immer so einfach und wie gesagt machen es uns die äußeren Bedingungen manchmal schwer. Aber das ist keine Ausrede mehr. Ich bin ab nun unterwegs in Richtung kinderwärts.

Darüber möchte ich hier schreiben.

Es wird keine fertigen Antworten und Pauschallösungen geben. Eher Inspirationen, Ideen, Erfahrungen, Hintergrundwissen und Austausch.

Ich weiß, dass viele auf der Suche sind und es auch anders machen wollen und ich glaube auch, dass die Kollegen die heute verbittert und überfordert sind alle mal aus Leidenschaft und Überzeugung angetreten sind.

Noch ein Blog in diesem Internet??

Es gibt schon eine Menge, ich weiß, ja.

Aber es kann nicht genug Plattformen geben, wo über Wertschätzung, gleichwürdige Beziehung, Gelassenheit, Potentialentfaltung, (die Liste ist endlos;)) geredet und diskutiert wird.

Ich möchte bloggen für dich, liebe Kollegin, lieber Kollege …

Ich möchte einen Austausch anregen …

Ich möchte für euch, die versuchen den richtigen und wertschätzenden Umgang zu finden, Inspiration sein und euch wissen lassen „wir sind nicht allein“ …

… und somit letztendlich auch für alle Kinder da draußen. Ok, klingt ein bisschen nach Frieden für die Welt, naja, aber beim ersten Blogpost darf man ja ruhig ein bisschen auf die K… hauen, oder?

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7 Comments

  • Reply Suse 3. Juli 2016 at 14:16

    Liebe Anna,
    Du sprichst mir aus der Seele! 😊
    Gut, dass du dieses Feld aufmachst für die, die spüren, dass es schief läuft aber noch nicht wissen wie und was sie ändern können. Mega wertvoll! Danke dafür!

    • Reply Anna 4. Juli 2016 at 19:51

      Liebe Suse, danke für dein Feedback. Und wie gut, dass es dich Menschen wie dich gibt ;)! Liebe Grüße

  • Reply Jennifer 21. Juli 2016 at 14:20

    Liebe Anna,
    Ganz tolle Worte und zum ersten Mal gehört von einer Frau die noch keine Kinder hat. Hut ab, dieses Verstehen hat mir als damals als Nicht- Mama gefehlt! Toll was du da machst – Mach bitte weiter! 🙂 Lg

    • Reply Anna 21. Juli 2016 at 21:32

      Liebe Jennifer, oh danke! Es ist auch für mich bis hierher ein Weg gewesen und manchmal war es ganz schön holprig… Und das ist es auch immer wieder. Aber das Gefühl, dass ich so kinderwärts unterwegs bin, treibt mich an und die Erfahrungen mit den Kindern bestätigen dies IMMER!! Ich freu mich, dich als Leserin dabei zu haben und ja ich mach weiter, ich hab erst angefangen…;)

  • Reply meineschwestertotundichhier 9. Oktober 2016 at 9:53

    Hallo Anna,
    das ist eine sehr schöne Seite. Ich finde es super, dass du hier schreibst und andere an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
    Ich war wohl früher auch ein „Problemkind“ – zu still, zu ängstlich, und mit ganz viel Wut und Schmerz und Schuld und Traurigkeit im Körper – und bin sehr oft auf Unverständnis gestoßen.
    Auch deshalb freue ich mich, dass du hier schreibst.
    Liebe Grüße

    • Reply Anna 1. November 2016 at 11:25

      Danke für deinen Kommentar.
      Das Feedback von Menschen, die es selbst so erlebt haben ist wohl das, was unser Handeln am Meisten verändern kann!!!
      Deine Worte und Impulse auf deinem Blog sind wunderbar und ich wünsche dir alle Liebe, liebe Steinesammlerin!
      Anna

  • Reply Melanie Stammberger 9. September 2017 at 23:10

    Hallo liebe Anna.

    Deine Worte entsprechen exakt dem, was ich auch denke und fühle in meiner Arbeit mit den Kinder.
    WOW. Da sprichst du mir so perfekt aus der Seele.

    Ich habe auch vor einigen Wochen mein Herzensprojekt „Kinder sind Helden“ in die Welt gebracht und würde mich sooooo sehr freuen, mich mit dir einmal näher auszutauschen.
    Dein Ansatz und mein Verständnis von Kindern und der Blick auf die Kindheit ähneln sich total.

    Mein Projekt steht gerade am Anfang und ich habe auch vor, meine Gedanken an so viele Menschen wie nur möglich weiter zu geben.

    Schau doch gerne mal auf meiner Homepage http://www.kindersindhelden.de vorbei. Ich habe außerdem einen YouTube Kanal entwickelt.

    Wie toll wäre es … wenn ich einmal mit dir gemeinsam ein Video machen könnte *träum*!

    Wie gesagt … gerade stehe ich noch am Anfang, aber ich habe – genau wie du – sooooo viele Ideen und Ansätze, „meine Pädagogik“ noch stärker in die Welt zu bringen.

    Freue mich ganz sehr, von dir zu hören.

    Ich habe so viele Fragen an dich. Vielleicht haben wir tatsächlich einmal die Chance, zu telefonieren/zu schreiben/uns zu treffen.
    Das würde mich sehr freuen!

    Ich lebe auf der wunderschönen Insel RÜGEN :)!

    Und nochmals: großes Kompliment für deine Arbeit.

    WOW!

    Herzensgrüße,
    Melanie

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